Am 5. Oktober 2013 findet im Logenhaus in Berlin-Wilmersdorf zum zweiten Mal der sogenannte Zwischentag der neuen Rechten statt. Beim „Zwischentag“ handelt es sich um eines der maßgeblichen Vernetzungstreffen publizistischer Organe der Neuen Rechten aus dem deutschsprachigen Raum, mit zum Teil europaweiter Beteiligung.

Logenhaus: Emser Str. 12 bis 13, 10719 Berlin-WilmersdorfGötz Kubitschek: neurechter Multifunktionär, Initiator des ZwischentagsGötz Kubitschek: neurechter Multifunktionär, Initiator des Zwischentags

Dass die Wahl auf das Logenhaus im gutbürgerlichen Wilmersdorf fällt, ist nicht verwunderlich, neben den regelmäßig stattfindenden neurechten Vernetzungstreffen „Berliner Kollegs“, fand hier schon im Oktober 2012 der erste Zwischentag mit 700 Besucher_innen und 29 Aussteller_innen aus dem neurechten bis neonazistischen Spektrum statt.

Darunter illustre Gäste wie der Oberleutnant und Verleger Götz Kubitschek, der in den 90ern gegen die „Wehrmachtsausstellung“ über die Kriegsverbrechen der Wehrmacht demonstrierte und wegen seiner Tätigkeit für die „Junge Freiheit“ 2001 aus der Bundeswehr ausgeschlossen werden sollte, welcher die Messe auch organisiert. Der zweite Kopf hinter dem „Zwischentag“ ist Felix Menzel, der nicht nur als Herausgeber der neurechten Schülerzeitung „Blaue Narzisse“ fungiert, sondern erst im Juni 2013 das neurechte „Zentrum für Jugend, Identität und Kultur“ in Dresden eröffnete. Ebenfalls vertreten ist das österreichische Nachrichtenportal „unzensuriert.at“ hinter dem der FPÖ-Politiker Martin Graf steckt. Er ist Mitglied der Burschenschaft Olympia Wien, die auf Grund personeller Überschneidung mit Südtiroler Rechtsterrorist_innen mehrere Jahre verboten war.

Trotzdem sich das neurechte Leitmedium „Junge Freiheit“ in diesem Jahr nicht beteiligt, steigert sich die Zahl der Aussteller_innen in diesem Jahr auf 37. Darunter, neben den Projekten der Initiator_innen: „Sezession“, „Edition Antaios“ und „Blaue Narzisse“, auch das „Institut für Staatspolitik“ (IfS), welches die neurechten Vernetzungstreffen der „Berliner Kollegs“ organisiert. Außerdem werden der neurechte Verlag „Deltastichting“ aus Belgien, Burschenschaften, wie z.B. die Gothia Berlin und Delegationen der „Identitären Bewegung“ aus Deutschland, Österreich und Frankreich vor Ort sein.

Gabriele Adinolfi: ehem. Rechtsterrorist, heute Kopf der faschistischen „Casa Pound“-Bewegung in Italien

Gabriele Adinolfi: ehem. Rechtsterrorist, heute Kopf der faschistischen „Casa Pound“ in Italien

Logo der rechtsterroristischen „Terza Posizione“, die später in die „Nuclei Armati Rivolutionari“ (NAR) aufging.

Logo der rechtsterroristischen „Terza Posizione“, die später in die „Nuclei Armati Rivolutionari“ (NAR) aufging

Letztere diskutieren mit einem internationalen Gast von besonderer Relevanz, denn für dieses Jahr hat sich der italienische Rechtsterrorist Gabriele Adinolfi angekündigt. Adinolfi, Jahrgang ‘54, machte schon in den 1970er Jahren durch seine Verwicklung in rechtsterroristische Aktivitäten auf sich aufmerksam. Er war Gründungsmitglied der faschistischen Terrorgruppe „Terza Posizione“, die später in die „Nuclei Armati Rivolutionari“ (NAR) aufging, zu deutsch „Revolutionäre bewaffnete Kerne“. Die NAR begingen Ende der 1970er Jahre über 30 Morde. Zudem waren sie 1980 in den schweren Bombenanschlag auf den Bahnhof von Bologna verwickelt, bei dem 85 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt wurden. Als der italienische Staat in der Folge von Bologna begann, gegen die NAR vorzugehen, ging Adinolfi für 20 Jahre ins französische Exil. Erst im Jahr 2000, nach Verjährung des Falles, kehrte er nach Italien zurück. Im Exil verlagerte Adinolfi seinen Arbeitsschwerpunkt an den Schreibtisch und avancierte zwischenzeitlich zu einem der führenden Denker der Neuen Rechten. [1]

Wagons of the Ancona-Chiasso train pictu

Hauptbahnhof von Bologna 1980: Bei einem Bombenanschlag der „Nuclei Armati Rivolutionari“ (NAR) sterben 85 Menschen, mehr als 200 werden verletzt. Gabriele Adinolfi entzieht sich der Verhaftung, durch die Flucht nach Frankreich

Seit seiner Rückkehr tritt Adinolfi als Führungsfigur der faschistischen „Casa Pound“-Bewegung in Erscheinung und ist damit für eine Vielzahl organisierter Gewalttaten gegen Migrant_innen und politische Gegner_innen mitverantwortlich [2]. Beim „Zwischentag“, am 5. Oktober, wird der ehemalige Rechtsterrorist, der bis heute in Italien mit dem militanten Neofaschismus in Verbindung steht, nach einer Poduimsdiskussion zum Thema „Identitäre Bewegung und „rechte“ Projekte in Europa“ referieren.

Die Initiator_innen verfolgen das Konzept einer „rechten Kulturrevolution“, auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Dabei zielt der Zwischentag auf ein Spektrum vom rechten Rand der CDU bis tief ins neonazistische Lager. Folglich wird es neben Ständen neurechter Verlage und Podien auch ein Konzert des Rechtsrockers Sacha Korn geben. Korn verdankt seinem zweifelhaften Ruhm in jenen Kreisen nicht zuletzt seinen Beiträgen zur NPD-„Schulhof CD“.

[1] Neofaschistischer Vormarsch, Antifaschistisches Infoblatt (AIB) Ausgabe 79, 2/2008
[2] Macht der Marionetten, Antifaschistisches Infoblatt (AIB) Ausgabe 92, 3/2011

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