Für kommenden Samstag, den 5. Oktober 2013, läd die Zeitschrift Sezession zu einem Stelldichein der „neuen Rechten“ nach Berlin. Wie bereits im letzten Jahr findet der sogenannte Zwischentag im AVZ Logenhaus statt. Die Liste der Referenten offenbart, dass die Initiatoren der „Freien Messe“ wenig Berührungsängste zu militanten Neofaschisten zu haben scheinen.

Am frühen Abend soll Gabriele Adinolfi referieren. Er ist der Vordenker von Casa Pound Italia, einer Organisation, die den italienischen Faschismus verherrlicht und ihre Ziele auch mit Gewalt durchzusetzen versucht. Das Register der Angriffe auf Immigranten und politische Gegner scheint endlos, aber selten sind die Taten so gut dokumentiert wie beim Überfall auf eine Schülerdemonstration im Oktober 2008 in Rom. Die mit Knüppeln und Gürteln prügelnden Schläger von Casa Pound schafften es damals sogar in die Abendnachrichten.

Doch auch vor lebensgefährlichen Attacken und Mord wird bei Casa Pound nicht zurückgeschreckt. So verletzte ihr Aktivist Enzo Tarantino im April 2011 in Neapel drei Studenten mit einem Messer, weil sie Hakenkreuz-Graffiti von einer Wand entfernten. Und im Dezember 2011 erschoss Gianluca Casseri, auch er ein Mitglied von Casa Pound, bei einem rassistisch motivierten Amoklauf in Florenz zwei Senegalesen und verletzt drei weitere Straßenhändler schwer.

Dass sich die Neofaschisten nicht nur für Rechtsrock, sondern auch für rechte Kultur- und Ideengeschichte, also Schriftsteller wie Antoine de Saint-Exupéry und J.R. Tolkien, oder Philosophen wie Giovanni Gentile und Ernst Jünger interessieren, ist maßgeblich auf Adinolfi selbst zurück zu führen. Viele Jahre reiste er von Stadt zu Stadt, um seine Anhänger auf Veranstaltungen zu schulen. Darüber hinaus hat Adinolfi mehrere Bücher publiziert.

Zur Jahrtausendwende veröffentlichte er gemeinsam mit Roberto Fiore die Biografie „Noi Terza Posizione“. Sie behandelt die Geschichte von Terza Posizione, einer von den beiden Autoren und Peppe Dimitri in den 1970er Jahren gegründeten Organisation, die streng antikommunistisch war, sich aber auch antikapitalistisch gab. Dabei bediente sie sich ideologisch sowohl beim italienischen Faschismus, als auch beim Nationalsozialismus.

Als Hommage an die nationalsozialistischen Werwolf-Kommandos, wurde die Wolfsangel in leicht abgewandelter Form auch zum Logo von Terza Posizione erkoren. Und bis heute bewundert Adinolfi die von Heinrich Himmler zum Ende des Zweiten Weltkriegs gegründete Freischärlerbewegung, die Anschläge gegen die „Besatzer“ und Kollaborateure verüben sollte. In einem Text, den der rechte Publizist im Mai 2007 veröffentlichte, würdigt er deren Weltbild, „das in der Doktrin vom Kämpfen und Siegen kondensiert (wobei nicht der greifbare Erfolg zählt, sondern der Triumph über sich selbst).“ Die Heroisierung des bewaffneten Untergrundkampfes hat bei Adinolfi also von den 1970er Jahren an eine lange Kontinuität. Und vor allem damals stieß seine Agitation auf offene Ohren. Im Dezember 1979 wurden führende Kader von Terza Posizione nach einer Schießerei mit Polizisten verhaftet. Die Beamten hatten sie dabei beobachtet, wie sie Waffen aus einem Keller in ein Auto brachten. Doch erst nach dem Bombenanschlag auf den Bahnhof von Bologna, bei dem am 2. August 1980 mehr als 85 Menschen ums Leben kamen, wurden schließlich auch Haftbefehle gegen Fiore und Adinolfi ausgestellt. Beide entzogen sich der Verhaftung. Roberto Fiore ging nach England ins Exil und pflegte dort enge Kontakte zur National Front (NF). Zu Nick Griffin, dem heutigen Vorsitzenden der Britisch National Party (BNP), verbindet ihn bis heute eine enge Freundschaft. Als er nach Italien zurückkehrte, gründete er die Partei Forza Nuova, die in der European National Front auch mit der NPD verwoben ist. Adinolfi hingegen floh nach Frankreich, wo er für 20 Jahre blieb und sich mit Protagonisten der Nouvelle Droite um Alain de Benoist vernetzte. Obwohl das Attentat von Bologna bis heute nicht restlos aufgeklärt ist, konnte auch er sich nach seiner Rückkehr nach Italien unbehelligt in der Öffentlichkeit präsentieren.

Mit der Einladung von Gabriele Adinolfi demonstrieren die Initiatoren des Zwischentags nicht nur, dass eine Abgrenzung zum militanten Neofaschismus kaum existiert. Sie machen auch deutlich, welche Gefahren von vermeintlich intellektuellen Rechten ausgehen können.

Quelle: Antifaschistisches Infoblatt, Internetartikel, 4. Oktober 2013