Berufsziel Sozialassistentin: Rechtsextremisten in sozialen Berufen sind ein sensibles Thema. Werden vermeintliche oder tatsächliche Neonazis enttarnt, schlagen die Wogen hoch. In Berlin erhitzt ein solcher Fall derzeit die Gemüter: Dort macht die NPD-Aktivistin Maria Fank eine Ausbildung zur Sozialassistentin. Ihr Arbeitgeber legte ihr deshalb nun einen Auflösungsvertrag nahe, Fank kündigte Gegenwehr an.

„Besonders bedenklich ist zudem, dass [Klaus] R. [Administrator des abgeschalteten „Thiazi-Forums“, Anm. der Red.] nach eigener Aussage seine Berufstätigkeit als Erzieher in einem Hort nutzt, um eine solche Wertevermittlung bereits bei Kindern zu vollziehen“, konstatierten Polizeibeamte in den auf dem rechtsextremen Internetportal „Altermedia“ veröffentlichten Ermittlungsakten gegen das damals größte deutschsprachige rechtsextreme Internetforum.

Genau diese Sorge, nämlich die weltanschauliche Indoktrinierung ihrer Mädchen und Jungen, trieb auch die Eltern einer Kindertagesstätte in Lüneburg um, als sie Front gegen eine dort angestellte Erzieherin machten. Die Pädagogin ist mit dem bekannten NPD-Kader Andreas T. verheiratet, der das Bürgerbüro des Fraktionsvorsitzenden der Partei in Mecklenburg-Vorpommern, Udo Pastörs, leitet. T. gehört zum harten Kern der Neonazi-Szene, gemeinsam mit seiner Frau soll er Informationen der taz zufolge die gemeinsamen Kinder zur mittlerweile verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) geschickt haben. Letztendlich führte der Protest der Eltern zu einem Erfolg in ihrem Sinne. T. stimmte einem Auflösungsvertrag zu und kehrte nach längerer Krankheit nicht mehr an die KITA „Marienplatz“ zurück.

Ein wenig anders, aber doch vergleichbar, ist ein Fall, der derzeit in Berlin für Schlagzeilen sorgt. An der „Akademie für berufliche Bildung“ (AFBB) wird die Landeschefin der NPD-Suborganisation „Ring Nationaler Frauen“ (RNF), Maria Fank, zur Sozialassistentin ausgebildet. Dagegen laufen mehrere linke Initiativen in der Bundeshauptstadt Sturm. Auf einer Protestkundgebung am Montag prophezeite ein Redner, die NPD-Aktivistin werde das erworbene pädagogische Wissen in sozialen Einrichtungen zur Verbreitung ihrer Ideologie missbrauchen. Akademieleiter Roland Schmidt ficht dies nicht an. Als Reaktion auf die Demonstration schloß er kurzerhand die Schule. Außerdem unterstrich er, dass eine einzelne Personen die Ausrichtung der Schule, die sich gegen Rassismus engagiere, „nicht unterwandert“, schreibt die taz.

Nun die Kehrtwende: Nach Angaben der NPD habe das AFBB die 24-Jährige vor die Wahl gestellt, einer Auflösung ihres Arbeitsverhältnisses zuzustimmen oder mit einer Kündigung rechnen zu müssen. Die Partnerin des NPD-Landeschefs Sebastian Schmidtke, den der Boulevard einst zu „Berlins gefährlichstem Nazi“ erklärte, störe den Schulablauf und den Frieden. „Ich lasse mich von der Schulleitung nicht erpressen und unter Druck setzen“, sagte Fank, die in den letzten Monaten häufiger bei NPD-Kundgebungen in Berlin zum Mikrophon gegriffen hatte. Nicht sie, sondern „rotlackierte Faschisten der kriminellen Antifa“ störten den Schulablauf. Gegen eine mögliche Kündigung stellte sie rechtliche Schritte in Aussicht.

In ihrer Pressemitteilung spricht die NPD sodann von einer „modernen Inquisition“ gegenüber ihrer Anhängerin. Die „linksextreme Antifa“ veranstalte, so Bundespressesprecher Frank Franz, eine „brachiale Hatz“ auf die Funktionärin. Mit Hetze jedenfalls kennt sich auch die junge Mutter bestens aus. Bei den rassistischen Protesten gegen ein Flüchtlingswohnheim in Berlin Hellersdorf agiert sie stets an vorderster Front.

Quelle: Endstation Rechts, 17 Oktober 2013