Der kroatische Rechtsrocker Thompson möchte wieder einmal in Deutschland auftreten. Neben dem Nationalismus hat es ihm nun auch die Religion angetan.

von Jan Tölva

Über mangelnden Zuspruch kann er sich nicht beschweren. Seit über 20 Jahren ist der Kroate Marko Perković, besser bekannt als Thompson, einer der bekanntesten Vertreter nationalistischer Rockmusik in Europa. Kommerziell ist er derzeit erfolgreicher denn je. Sein Album »Ora et Labora« steht in den Top Ten der kroatischen Charts – seit über einem Jahr. Im Download-Portal iTunes verkaufte vergangenes Jahr kein kroatischer Künstler mehr Einheiten, seine Konzerte besuchen in Kroatien häufig Zehntausende. Auch an Orten, wo es eine kroatische Exilgemeinde gibt, kommen Tausende.

In Berlin wird daraus nun nichts. Ein für den 26. April angekündigtes Konzert in der Columbiahalle, wo er bereits 2006 und 2009 aufgetreten war, wurde kurzfristig abgesagt. »Das Konzert findet nicht bei uns statt«, heißt es von Seiten der Betreiber der Halle. Gut möglich ist jedoch, dass der Veranstalter Jakov Kolak schon nach einem anderen Veranstaltungsort sucht. Im Internet jedenfalls wird weiter für das Konzert in Berlin geworben. Der Auftritt in der Eissporthalle in Essen am 3. Mai scheint dagegen wie geplant stattzufinden. Der WAZ sagte ein Sprecher des Trägervereins der Halle, man sei »völlig arglos und unbedarft« an die Sache herangegangen. Bei einer einseitigen Absage drohe eine hohe Konventionalstrafe, die für den Verein existenzbedrohend wäre.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Konzert von Perković abgesagt wird. Immer wieder gerät der Musiker wegen seiner Vergangenheit und seines Nationalismus in die Kritik. 2011 belegte die Schweiz ihn sogar mit einem Einreiseverbot. Politisch geprägt wurde Perković in den frühen Neunzigern, er kämpfte im Kroatien-Krieg an der Front. Sein Künstlername Thompson war sein Kampfname in dieser Zeit und ist dem Fabrikat einer von ihm verwendeten Maschinenpistole entlehnt.

Ebenfalls aus der Zeit des Bürgerkriegs stammt sein bis heute beliebtester Song, »Bojna Čavoglave« (»Das Bataillon von Čavoglave«). Begleitet von pathetischer Rockmusik besingt er darin die seiner Darstellung nach heldenhafte Verteidigung seines Heimatortes Čavoglave in der Nähe von Split und droht den serbischen Einheiten: »Unsere Hand wird euch noch in Serbien erreichen!« Noch deutlicher sind die ersten Zeilen des Lieds: »Za dom – spremni!« (»Für die Heimat – bereit!«) heißt es da. Es handelt sich um die Grußformel des klerikalfaschistischen Ustascha-Regimes, das während des Zweiten Weltkriegs mit den Deutschen verbündet war. Etwa 300 000 Serben und jeweils bis zu 40 000 Juden und Roma sollen ihm Schätzungen von Historikern zufolge zum Opfer gefallen sein. Ungeachtet dessen – oder vielleicht gerade deswegen – sehen viele in Kroatien immer noch ein Vorbild in der Ustascha-Bewegung.

Das zeigt sich auch immer wieder auf Konzerten von Thompson, auf denen, gut dokumentiert durch Fotos und Videos im Internet, Symbole der faschistischen Bewegung genauso zu sehen sind wie Fans, die den sogenannten Ustascha-Gruß zeigen, eine kroatische Version des Hitlergrußes. Auch Perković stand schon mit gestrecktem rechtem Arm auf der Bühne, wie ein Foto der kroatischen Zeitschrift Globus von 1992 beweist.

Perković ist dabei durchaus in guter Gesellschaft. Erst im November 2012 fiel Mario Mandžukić vom FC Bayern München negativ auf, als er ein Tor gegen den 1. FC Nürnberg mit dem Ustascha-Gruß feierte. Seit 2007 gehört Mandžukić auch zur kroatischen Nationalmannschaft, deren damaliger Trainer Slaven Bilić am Rande der Europameisterschaft 2008 ganz offen erzählte, sein Team höre die Musik von Thompson zur »Aufmunterung«, wie er es nannte. Da ist es nur passend, dass sich unter den Sponsoren des Konzerts in Berlin auch der Fußballverein SD Croatia Berlin befindet.

Perković bezeichnet sich gerne als Patrioten, bestreitet aber die Nähe zum Faschismus. Tatsächlich hat er in den vergangenen Jahren einen Wandel durchgemacht. Die größeren seiner vielen Skandale liegen einige Jahre zurück. So ist es zehn Jahre her, dass Tonaufnahmen auftauchten, auf denen Perković die Opfer kroatischer Konzentrationslager verspottete und Jure Francetić und Rafael Boban besang, die Anführer der »Schwarzen Legion«, einer an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligten Einheit der Ustascha. 2009 wurde zudem bekannt, dass Perković auf einem Parteitag der neofaschistischen Hrvatska stranka prava (HSP) aufgetreten war.

Glaubhaft distanziert hat er sich von alledem nie. Mittlerweile scheint Perković jedoch darauf bedacht zu sein, nicht mehr allzu plakative politische Botschaften zu verbreiten. Auf seiner neuesten Veröffentlichung, der Live-Doppel-DVD »­Poljud Live Ora Et Labora«, ist auch sein alter Hit »Bojna Čavoglave« zu finden, lauthals mitgesungen vom Publikum, das offensichtlich auf genau diesen Song gewartet hat. Anders als bei einem im Internet zu findenden Konzertvideo von 2012 fehlt jedoch die Ustascha-Parole zu Beginn des Stücks. So viel taktischer Textverzicht muss sein. Es wissen ja ohnehin alle, wie es gemeint ist.

Stärker als früher rückt er dafür nun die christliche Symbolik in den Mittelpunkt und redet immerfort von Gott. Auch der Albumtitel »Ora et Labora« ist dem Motto der Benediktiner-Mönche nachgebildet. Diese Veränderung kommt jedoch keineswegs einer Abkehr von seinen früher vertretenen Ansichten gleich. Immerhin ist der katholische Glaube fester Bestandteil der kroatischen Nationalideologie. So besingt Thompson in »Bog i Hrvati« (»Gott und die Kroaten«), einem Song auf »Ora et Labora«, die enge Bindung zwischen »seinem Volk« und dem Allmächtigen, der jenem »das schönste Land unter dem Himmel« geschenkt habe.

An Perkovićs Texten sei »nichts Rechtsradikales«, sagte dagegen Veranstalter Kolak im März dem Berliner Kurier und kündigte an, es werde »ein tolles Familienkonzert geben«. Der Hinweis auf die Familie, um die Harmlosigkeit der Veranstaltung zu beweisen, ist jedoch äußerst zweifelhaft. Immerhin ist die Familie neben Kroatentum, Katholizismus und, nicht zu vergessen, dem Antikommunismus ein wichtiges Element in der Ideologie der kroatischen Rechtsextremen. Dies zeigte sich auch an den Protesten gegen die Gleichberechtigung von Homosexuellen im vergangenen Jahr. Im Dezember 2013 stimmten in Kroatien bei einem Verfassungsreferendum 68 Prozent der Beteiligten für das Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen. Initiiert wurde die Kampagne von der Initiative »U ime obitelji«, was übersetzt »im Namen der Familie« heißt. Ob Thompson sich nun also nationalistisch, gottesfürchtig oder familienfreundlich gibt, sein kroatisches Publikum dürfte sich stets angesprochen fühlen.

Quelle: Jungle World, 24. April 2014