»Osijek haßt Faschisten und Kriegsprofiteure«: Protestplakat gegen ein Thompson-Konzert in der ostkroatischen Stadt (2012) Foto: www.crvena-akcija.org

»Osijek haßt Faschisten und Kriegsprofiteure«: Protestplakat gegen ein Thompson-Konzert in der ostkroatischen Stadt (2012)
Foto: www.crvena-akcija.org

Der rechte kroatische Musiker Marko »Thompson« Perkovic will Ende April in Berlin auftreten. Antifaschisten kündigen Widerstand an

Von Roland Zschächner

Am 26. April ist in Berlin-Kreuzberg nicht nur ein Aufmarsch der neonazistischen NPD angekündigt, sondern auch ein Konzert des »Thompson« genannten faschistischen, kroatischen Rocksängers Marko Perkovic und seiner Band. Der Auftritt soll in der Columbiahalle stattfinden und wäre sein dritter in Berlin. Thompson ist wegen seiner nationalistischen Texte bekannt und erfreut sich unter kroatischen Rechten großer Beliebtheit. In seinen Liedern frönt Thompson einem dumpfen Nationalismus, der sich aus klerikal-katholischen, völkisch-rassistischen, militaristischen, antikommunistischen und zum Teil auch antisemitischen Versatzstücken speist. Es ist daher nicht verwunderlich, daß auf seinen Konzerten immer wieder faschistische Symbole und Rituale wie der Hitlergruß zu finden sind.

Thompson ist ein Produkt der 1990er Jahre in Kroatien. Er kämpfte damals auf seiten kroatischer Paramilitärs. In dieser Zeit wählte er auch seinen Künstlernamen, es ist die Marke der ihm zugeteilten Maschinenpistole.

Bekannt wurde Perkovic 1991 mit dem Lied »Bojna Cavoglave«. Darin besingt er seine Truppe – das »Bataillon von Cavoglave« – die im dalmatinischen Hinterland kämpfte und 1995 bei der Vertreibung der serbischen Bevölkerung beteiligt war. In dem heute noch gern von ihm gespielten und vom Publikum gefeierten Lied beschreibt Thompson, wie er und seine »kroatischen Brüder« gewaltsam gegen »die Bande« – gemeint sind die Serben – vorgehen. Außerdem drohen sie darin, daß ihre »Hand bis nach Serbien reichen werde«. Das in Kroatien populäre Lied beginnt mit der Grußformel der faschistischen Ustascha: za dom, spremni – für die Heimat, bereit. Die Parole ist auch heute noch unter Faschisten beliebt.

Perkovics Popularität speist sich aus dem gesellschaftlich weitverbreiteten Nationalismus. In seinen Liedern besingt er die »schöne Heimat«, die Gott dem »Volk der Kroaten« geschenkt hätte. Das Land ist für ihn »Mutter und Kind« zugleich. In dem Lied »Steinerne Gene«, beschreibt Thompson, wie er sich die kommenden Generationen vorstellt: »Blaues Blut, weiße Gesichter, neue Kinder werden geboren«. Alle, die nicht in dieses Weltbild passen, werden zu Feinden erklärt, die bekämpft werden müssen. Wegen solcher volksverhetzenden Einstellung bestand gegen Perkovic in der Schweiz über Jahre ein Einreiseverbot.

Bereits zu Beginn seiner Karriere knüpfte Perkovic enge Kontakte zu den Eliten um den ehemaligen Präsidenten Franjo Tudjman. Bis heute pflegt er seine Verbindungen. Sein Einfluß auf die kroatische Popkultur ist ungebrochen. Thompson-Konzerte sind Spektakel, seine Hörerschaft umfaßt Hunderttausende in der ganzen Welt – sowohl in Kroatien als auch in den kroatischen Gemeinden im Ausland.

Die Musik Thompsons läßt sich als Rock mit folkloristischen Elementen beschreiben. Sie ist massentauglich. Seine Anhänger kommen aus allen Bevölkerungs- und Altersgruppen. So füllte er z. B. 2007 das Zagreber Maksimir-Stadion mit über 70000 Fans. Das Konzert wurde im kroatischen Staatsfernsehen ausgestrahlt, wobei offen faschistische Bekundungen herausgeschnitten wurden.

In Kroatien sorgte vor allem sein Konzert in Osijek im Jahr 2002 für Diskussionen. Thompson sang damals unter anderem das Lied »Jasenovac und Gradiska Stara«. Darin wird das Vernichtungslager in Jasenovac als »Haus der Metzger Maks’« bezeichnet – eine Anspielung auf den dortigen Kommandanten Vjekoslav »Maks« Luburic. In einer anderen Strophe wird dem Massenmord an den Serben gehuldigt: »oh Neretva, fließ abwärts, trag’ die Serben in die blaue Adria«. Im selben Lied wird zudem Jure Francetic geehrt. Dieser war Gründer der »Schwarzen Legion«, einer der deutschen SS nachempfundenen Ustascha-Terroreinheit, die an der Ermordung von Serben und Juden sowie anderen Greueltaten beteiligt war. Der Vorsitzende des Jerusalemer Simon-Wiesenthal-Zentrums, Efraim Zuroff, hat Thompson daher als »neofaschistisch« bezeichnet.

Die Verteidiger Thompsons versuchen ihn und seine Ideologie, als »Heimatliebe« zu verharmlosen. Kritiker werden entweder als »großserbische Piköre« bzw. kommunistische Geheimdienstler denunziert. Auch Thompson stellt sich gern selbst als Opfer einer vermeintlichen antifaschistischer »Demagogie« dar. Neuerdings distanziert er sich zwar von früheren Aussagen – seine aktuellen Konzerte zeigen jedoch ein gegenteiliges Bild.

Gegen das Konzert in der Berliner Columbiahalle hat sich bereits antifaschistischer Widerstand angekündigt. Ein Bündnis unter dem Motto »Kein drittes Mal« ruft dazu auf, den Auftritt von Perkovic zu verhindern und fordert die Verantwortlichen des Veranstaltungsortes auf, ihre Zusage für das Konzert wegen der faschistischen Gesinnung des Sängers zurückzuziehen. Bereits in anderen Städten gelang dies. So sorgten antifaschistische Proteste dafür, daß Thompson-Konzerte im kanadischen Toronto und in Hamburg abgesagt wurden.

solidarnost.blogsport.eu

Quelle: Junge Welt, 9. April 2014