50 Menschen nahmen an der Kundgenbung teil

50 Menschen nahmen an der Kundgenbung teil

Flugblatt, das auf der Kundgebung verteilt wurde

Flugblatt, das auf der Kundgebung verteilt wurde

Am 14. Oktober 2013 versammelten sich rund 50 Menschen in Berlin Mitte zu einer Kundgebung gegen die Berliner Neonaziaktivistin Maria Fank.

„Seit ver­gan­ge­nem Herbst macht die NPD in Ber­lin gegen Flücht­lin­ge mobil, dabei kon­zen­trie­ren sich die Rech­ten vor allem auf die Er­öff­nung neuer Flücht­lings­un­ter­künf­te. Ge­ra­de in Hel­lers­dorf haben die Neo­na­zis der NPD in den letz­ten drei Mo­na­ten mas­si­ve Stim­mung gegen eine Flücht­lings­un­ter­kunft ge­schürt, um Wäh­ler­stim­men zu er­gat­tern. 10,2 % wähl­ten rund um das Flücht­lings­heim die NPD. […] Maria Fank, Mit­glied der NPD-​Ber­lin und des „Ring Na­tio­na­ler Frau­en“ (RNF) ist maß­geb­lich für die Ak­tio­nen gegen Mi­gran­tIn­nen und Flücht­lin­ge ver­ant­wort­lich. Es fin­det kaum eine Kund­ge­bung statt auf der sie nicht ihre ras­sis­ti­schen Reden hält.“ (1)

Bilder: Theo Schneider | Presse: TAZ | ND | Kurier

Fank absolviert derzeit in der AFFB (Aka­demie für beruf­liche Bil­dung gGmbH), in der Alten Jakob Straße 83 in Mitte, eine Ausbildung zur Sozialassistentin.

Ignorieren und bagatellisieren

Bereits im Juni informierten Antifaschist_innen darüber, dass Maria Fank sich derzeit an der AFFB das Know How für die Arbeit im sozialen Bereich aneignet. Die Schulleitung war seit dem darüber informiert wer an ihrer Schule derzeit lerne, blieb jedoch untätig. (2)

Linke Gruppen mahnten seit dem immer wieder „Fank werde das erworbene pädagogische Know-how in sozialen Einrichtungen zur Verbreitung ihrer braunen Ideologie missbrauchen […] Akademieleiter Schmidt ignoriert die Befürchtungen in seiner Presseerklärung. Viele Schüler hätten einen Migrationshintergrund, schreibt er, die Schule arbeite aktiv gegen Rassismus. Diese gelebte Ausrichtung „wird durch einzelne Personen nicht unterwandert“ heißt es in einem TAZ-Artikel zur Kundgebung. (3)

Dass sich die Schule zu einer öffentlichen Stellungnahme gegenüber der TAZ durchrang, kann als Erfolg des Drucks der letzten Monate gewertet werden, denn bei bisherigen Anfragen und Kontaktversuchen bezüglich des Themas glänzte die Schulleitung vor allem durch Nichtverhalten.

Ein offener Brief der Berliner VVN-BdA wurde genau so ignoriert wie Nachfragen seitens der Jungen GEW Berlin. So bestätigten Mitglieder der GEW-Jugend am Montag, dass sie bei telefonischen Nachfragen zum Thema immer wieder abgewiegelt wurden. Entweder ließ sich die Schulleitung verleumden oder es hieß seitens des Sekretariats der AFFB, mensch könne sich dazu nicht äußern. Erste telefonische Kontaktversuche seien Laut Mitgliedern der Jungen GEW wohl bereits im September erfolgt.

So passt die Schließung der Schule an diesem Montag sehr gut zum generellen Umgang der Schulleitung mit der Personalie Maria Fank. Auf der Wesbsite der AFFB heißt es: „Sehr geehrte Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern, da am Montag, 14.10.2013 in der Alten Jakobstr. von 10 — 16 Uhr eine Großdemonstration stattfinden wird, können wir keinen geregelten und vor allem keinen sicheren Schulbetrieb garantieren. Am Montag wird unsere Schule somit geschlossen sein.“ (4)

An statt einer Auseinandersetzung mit der rechten Hetze, die Maria Fank öffentlich verbreitet, so wie der Ideologie die hinter dieser steht, wird ein irgendwie geartetes antirassistisches Engagement der Schule hervorgehoben, um sich aus der Affäre zu ziehen. Den Kritiker_innen neofaschistischer Ideologie nun zu unterstellen sie würden eine Gefährdung der Sicherheit für Schüler_innen und Schule darstellen, kann nur noch als Protektionismus für Maria Fank verstanden werden. Die Schließung der Schule als Reaktion auf die Kritik linker Gruppen wurde auch seitens des Berliner Kuriers kritisch aufgegriffen. (5)

Wenn die Kundgebung vor der AFFB eine Gefahr darstelle, was sind dann die zahlreichen Kundgebungen, die Fank und die Berliner NPD in den letzten Monaten in ganz Berlin gegen Geflüchtete und Migrant_innen durchgeführt hat? Wo ist die Rede von der Bedrohung und den Einschüchterungen, die von diesen Aktionen gegen nichtdeutsche Menschen in den jeweiligen Stadtbezirken ausging? Von einer kritischen Auseinandersetzung mit der Personalie Maria Fank kann hier nicht die Rede sein.

Kundgebung und Aktionen gegen Maria Fank

In den Vergangenen Tagen tauchten rund um die Schule immer wieder Info-Plakate zu Maria Fank auf. In der Alten Jacob Straße wurde zu dem Parolen gegen Fank gesprüht. (6)

Die Schulschließung am 14. Oktober konnte zwar erwirken, dass der Großteil der Schüler nicht mitbekommen hat gegen wen und was demonstriert wurde, jedoch verpuffte die Aktion nicht ansatzweise so wirkungslos, wie es sich Schulleiter Roland Schmidt vorgestellt hatte. Unter die Kundgebungsteilnehmer_innen mischten sich Anwohner_innen, an Kunden des Netto-Marktes nahe der Schule, so wie an benachbarte Geschäfte wurden Flyer verteilt. Immer wieder hielten Passant_innen an, hörten interessiert zu und es gab auch immer wieder positiven Zuspruch für die Aktion. Wer es an diesem Tag nicht zur Kundgebung schaffte und doch seinen Protest zum Ausdruck bringen wollte, tat dies online. Hunderte Menschen machten ihrem Unmut mit Kommentaren auf der Facebook-Seite der Schule Luft. Die reagierte daraufhin im altbekannten Schema: Beiträge wurden einfach gelöscht, ansonsten wurde geschwiegen.

Dass sich die AFBB nun nach Monaten des Schweigens zu öffentlichen Reaktionen veranlasst sieht, als auch den zahlreichen positiven Zuspruch, den die Kundgebung erlangte, werten wir als Erfolg. Dass sich zu unserer „Großdemonstration“ 50 Personen einfanden, stimmt uns, angesichts des gewählten Zeitpunkts der Kundgebung, die an einem Montag zur Mittagszeit stattfand, ebenso zufrieden. Auch wenn der Hausmeister der AFFB gegenüber Kundgebungsteilnehmer_innen verlauten ließ, dass Fank schon längst von der Schule geflogen sei, bedeuten die Schließung der Schule, die Solidaritätsbekundungen der NPD im Netz (7) das Gegenteil.

Für Gegner_innen der rassistischen Hass-Kampagnen der Berliner NPD kann es darum nur heißen, nicht locker zu lassen.

Aktuelle Infos zu praktischem Antirassismus unter: www.infoportalhellersdorf.blogsport.de

Aktuelle Infos zur Ausbildung der RNF-Vorsitzenden Maria Fank, mit eigenen recherchen, Pressespiegel und Überischt verschiedener Aktivitäten: www.recherche-und-aktion.net

Verweise:
1: Antirassistisches Infoportal Hellersdorf: „Kundgebung: „Gegen die rassistische Hetze! – Die Neonazi-Drahtzieher stoppen!“ am 14.10.13 vor der AFBB / Kreuzberg“ vom 4.10.13

2: Recherche & Aktion: „Maria Fank bald Sozialassistentin?“ vom 7.6.2913

3: TAZ: „Schulfrei wegen Demo“ vom 14.10.2013

4: Akademie für berufliche Bildung gGmbH (AFBB): „Ausbildungsstätte stellt Unterricht ein“ vom 14.10.2013

5: Berliner Kurier: „Nazi-Chefin macht auf Sozial-Tante“ vom 13.10.2013

6: Recherche & Aktion: „Aktionen gegen RNF-Kader“ vom 12.10.2013

7: NPD-Pressestelle: „Moderne Inquisition – NPD-Funktionärin Maria Fank soll aus dem Ausbildungsverhältnis gedrängt werden“ vom 16.10.2013

Quelle: linksunten.indymedia.org, 17. Oktober 2013