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Am 5. Oktober werden sich in Berlin die führenden Köpfe der Neuen Rechten treffen, wenn die rechtsintellektuelle Zeitschrift Sezession und die rechtskonservative Online-Jugendzeitschrift Blaue Narzisse zum zweiten Zwischentag einlädt. Die „freie Messe“ bietet neben über 30 Ausstellern, die vor allem dem neurechten Verlagswesen entstammen, auch ein Kulturprogramm sowie Vorträge und Podiumsdiskussionen. Sie dient der Selbstverständigung und Vernetzung eines Spektrums, das sich selbst offen als rechts bezeichnet und das Konzept einer kulturellen Revolution ernsthaft verfolgt. Gleichzeitig distanzieren sie sich von NPD und Kameradschaften – aber nicht auf Grund menschenverachtender Ideologie oder Gewalt, sondern wegen deren ungeschicktem Auftreten und politischer Dummheit. Der Zwischentag richtet sich an Rechte, die sich selbst als Elite wähnen, an Nationalisten im Anzug, an Nazis mit Abitur. Im letzten Jahr nahmen rund 700 Besucher_innen teil im Wilmerdorfer Logenhaus teil. Auch dieses Jahr soll der Zwischentag im Logenhaus stattfinden.

Die Protagonisten der Messe sind der Oberleutnant Götz Kubitschek (Sezession, Edition Antaios), der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Felix Menzel (Blaue Narzisse; Zentrum für Jugend, Identität und Kultur) und der Religions- und Geschichtslehrer Karlheinz Weißmann (Institut für Staatspolitik). Unter den sonstigen Ausstellern finden sich Verlage und Zeitschriften, die das gesamte Spektrum von Vertriebenen-Nostalgik, völkischem Deutschtum und Kulturrassismus bedienen ebenso, wie extrem rechte Burschenschaften und Vertreter der Identitären Bewegung aus Deutschland, Österreich und Frankreich. Vor allem letztere haben es den Veranstaltern angetan, da sie in den Identitären das Potential einer Bewegung sehen, die erstens Rassismus und Konservatismus für junge Menschen attraktiv macht und zweitens, den angestaubten Rechtsintellektuellen ein actionreiches Begleitprogramm verschaffen könnte. Die Wortführer der Neuen Rechten, die sich am Zwischentag treffen, sind Stichwortgeber für rechts-konservative bis offen nazistische Kreise von Kameradschaften bis in die Unionsparteien. In ihrem Ringen um Diskurshoheit hetzen sie gegen die Feminismus und Migrant_innen und vertreten ein anti-egalitäres Weltbild, das unter dem Deckmantel Unterschiede kultivieren zu wollen, eigentlich nur Höheres von Niederem unterscheiden will. Theoriearbeit, die Etablierung eines kulturellen Kanons und Mittel der öffentlichen Provokation sind ihre Waffen gegen einen vermeintlich linken Mainstream.

Als wäre das nicht Grund genug dagegen auf die Straße zu gehen, gibt es allen Distanzierungen zum Trotz unzählige Verbindungen in NS-affine Kreise. Das Lesertreffen des Verlags Lesen und Schenken von Dietmar Munier in Pommersfelden, an dem auch NPD-Funktionäre und Frank Rennicke (Nazi-Liedermacher) teilnahmen, wurde 2012 auch von Götz Kubitschek besucht. In der Deutschen Burschenschaft kungeln Mitglieder von CDU, FPÖ und NPD mit Süd-Tiroler Rechtsterroristen. Zudem ist Irmgard Hanke, die der neoartamanischen Siedlungsbewegung in Mecklenburg Vorpommern entstammt, mit einem Stand ihrer Buchbinderei beim Zwischentag vertreten.

Der Neuen Rechten darf kein Raum geboten werden, weder physisch noch ideologisch. Wenn sie sich in Berlin treffen wollen, um gegen Feminist_innen, Linke und Migrant_innen zu hetzen werden wir da sein.

Rechte Hegemonie is‘ nich‘. Nicht in Berlin und nirgends sonst!

Samstag, 05.10.2013, 09.30 – 12.00 Uhr : Kundgebung gegen den Zwischentag in Berlin. Emser Str. 12, Wilmersdorf, U-Bhf. Hohenzollernplatz

Quelle: Antifa Friedrichshain (AFH)