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Am vergangenen Freitagnachmittag versammelten sich erneut rund 25 Menschen vor dem Strandbad Plötzensee in Berlin-Wedding. Auf der Kundgebung wurde einerseits die Frage gesstellt, welche Rolle der Bademeister und Ex-Neonazi-Aktivist Mike Zerfowski beim Ertrinken von Anneck E. am 19.7. gespielt hat [1]. Andererseits wurden die Badegäste auch über die rassistischen Kontinuitäten im Freibad informiert, wo es bereits 2013 zu Übergriffen im Rahmen eines Musikfestivals kam [2].

Rassismus ist somit im Freibad Plötzensee nicht nur ein Phänomen, das vom einem einzelnen Nazi-Bademeister ausgeht, sondern er tritt an an vielen Stellen in Erscheinung. Dieser unhaltbare Zustand wird von den Pächtern, der Erik Müller und Rudolf Singer GbR, jedoch vorwiegend ignoriert. Sie scheinen zu denken, dass Schweigen und Wegschauen hilft – nicht umsonst haben sie die Facebook-Seite des Strandbads aus Angst vor negativen Kommentaren gelöscht. Doch der stetige Protest [3] vor „ihrem“ Freibad erschwert eine solche Hinhaltetaktik. Schon jetzt wissen viele Badegäste von den Vorkommnissen im und um das Freibad oder sie sind zumindest sehr interessiert, mehr darüber zu erfahren, wie die zahlreichen Gespräche am Rande der Kundgebung zeigten. Dementsprechend treffen die stetigen Protestaktionen das Freibad Plötzensee an einem durchaus empfindlichen Punkt: den zahlenden Gästen und damit den Einnahmen. Die einzige sinnvolle Reaktion der Betreiber auf den steigenden Druck wäre eine klare Stellungnahme zu den Vorkommnissen in diesem und im vergangenen Jahr und die Kündigung von Mike Zerfowski. Neonazis haben mit ihrer menschenverachtenden Einstellung nichts in helfenden Berufen verloren. Solange die Pächter aber weiter einen Neonazi als Bademeister und Betriebsleiter beschäftigen und ihn sogar noch auf dem Gelände wohnen lassen, sind sie genauso in die Verantwortung zu ziehen. Wer sich nicht klar gegen Rassismus positioniert und eine solche Positionierung auch konsequent durchsetzt, ist als Betreibergesellschaft eines öffentlichen Freibads ungeeignet. Doch gerade der Auftritt von Erik Müller, einem der Pächter, am Rande der Kundgebung machte deutlich, dass eine Auseinandersetzung mit Rassismus im Freibad Plötzensee nicht erwünscht ist. Demnach muss der antifaschistische Druck weiter erhöht werden, um rassistische Zustände zumindest an dieser Stelle zu beenden.

Anmerkungen
[1] https://linksunten.indymedia.org/de/node/119341
[2] http://www.tagesspiegel.de/berlin/rassismusvorwuerfe-in-berlin-wedding-s…
[3] https://linksunten.indymedia.org/node/119918

Quelle: linksunten.indymedia.org, 12. August 2014