Kaum Proteste gegen den »Zwischentag« in Berlin. Italienischer Neofaschist »Stargast« auf Vernetzungstreffen
Von Florian Osuch

Am vergangenen Sonnabend kamen mehrere hundert Besucher zum »Zwischentag«, einem Vernetzungstreffen der sogenannten Neuen Rechten, nach Berlin-Wilmersdorf. Hinter der als »freie Messe« deklarierten Veranstaltung steht Götz Kubitschek von der rechten Zeitschrift Sezession und Inhaber des Verlags Antaios. Mitorganisator der Tages- und Abendveranstaltung ist nach Antifa-Angaben Karlheinz Weißmann vom »Institut für Staatspolitik« (IfS) sowie Felix Menzel vom rechtskonservativen Onlinemagazin Blaue Narzisse. Die Zeitschrift Sezession ist das Hausblatt der rechten Denkfabrik IfS. Nach einer Analyse des Antifaportals Recherche & Aktion handelt es sich beim »Zwischentag« um eines der »maßgeblichen Vernetzungstreffen publizistischer Organe der Neuen Rechten«.

Ein Redakteur der Berliner Zeitung, der den »Zwischentag« besucht hat, berichtete von etwa 750 Besuchern, ungefähr so viele wie auch im Vorjahr. Das selbstgesteckte Ziel von 1000 Gästen wurde offenbar verfehlt. Bis zu 150 Aussteller sollen ihr Sortiment vorgestellt haben, darunter Verlage, Zeitschriften und konservative Modemarken wie »Pro Patria«. Zahlreiche Vereinigungen präsentierten sich, wie etwa die »Identitäre Bewegung«, der islamfeindliche Blog Politically Incorrect, Burschenschaften oder auch das als rechte Denkfabrik bezeichnete »Institut für Staatspolitik«.

Vor der Tür demonstrierten einige Dutzend Antifaschisten gegen die Versammlung. Die Polizei war mit zahlreichen Kräften vor Ort und hielt die Protestierenden auf Abstand. Anwohner wurden per Flugblatt über ihre rechten Nachbarn informiert. Nach Auffassung der Antifa Berlin-Friedrichshain, Veranstalterin der Kundgebung, wird das neurechte Spektrum »nicht nur im gesellschaftlichen Mainstream, sondern auch in antifaschistischen Kreisen völlig unterschätzt«. In einer Erklärung hieß es: »Mit Veranstaltungen wie dem Zwischentag versuchen neurechte Intellektuelle, eine rechte Kulturrevolution anzustoßen«. Bezugsperson sei unter anderem der rechte Vordenker Alain De Benoist.

Ein internationaler Gast sorge für besondere Aufmerksamkeit: Gabriele Adinolfi aus Italien. Der 59jährige ist intellektueller Kopf der neofaschistischen »Casa-Pound«-Bewegung aus Rom. Sein Vortrag zog bis zu 300 Zuhörer an. Adinolfi werden Verbindungen zu italienischen Rechtsterroristen der 1980er Jahre nachgesagt. Damals verübten Neofaschisten Anschläge, um sie der politischen Linken in die Schuhe zu schieben. Bei einem Bombenanschlag 1980 in Bologna starben 85 Menschen. Seinerzeit lag gegen Adinolfi ein Haftbefehl vor, er entzog sich jedoch der Festnahme und lebte 20 Jahre im Exil in Frankreich.

Beim Zwischentag waren auch deutsche Neonazis wie Sebastian Schmidtke, Chef des Berliner NPD, und Arne Schimmer, Abgeordneter der Partei im sächsischen Landtag, zugegen. Die Antifa Berlin-Friedrichshain hält genau solche Verbindungen von bürgerlich-konservativen mit militanten Neonazis für »hoch brisant«.

Quelle: Junge Welt, 9. Oktober 2013