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Im Rahmen der Aktionsmonate unter dem Motto „Reclaim your Kiez“ des „Hände weg vom Wedding“-Bündnisses haben wir gestern im und am Plötzensee protestiert. Im Zentrum stand dabei eine „Schwimm-Demonstration“. Auf dieser wurde ein Transparent mit der Aufschrift „Rassismus tötet“ gehalten und damit zum Strandbad geschwommen, um die Gäste und Mitarbeiter*innen darauf aufmerksam machen, dass wir keine Rassisten dulden werden. Nicht am Plötzensee und auch nirgendwo sonst! Diese originelle Aktion erweckte großes Aufsehen unter den anwesenden Personen. Mit Flyern und Gesprächen konnten viele Menschen über den Hintergrund der „schwimmenden Demonstration“ informiert werden. Viele Gäste zeigten großes Interesse und solidarisierten sich (verbal).

Genau eine Woche vor der Aktion, am Morgen des 19. Juli 2014, ist Anneck E. im Plötzensee ertrunken. Bademeister Mike Manfred Zerfowski gab an, Anneck und seine Freund*innen bereits um 7 Uhr morgens am Plötzensee bemerkt zu haben. Als der Bademeister wenige Stunden später von einem Badegast darauf aufmerksam gemacht wurde, dass gerade ein Mensch ertrinkt, baute dieser lieber erstmal weiter Sonnenschirme auf. Als ausgebildeter Rettungsschwimmer hätte er umgehend Hilfe leisten können,  doch er lies Anneck aus Kamerun tatenlos ertrinken. Später sagte Mike Zerfowski in einem Interview zur BZ, er könne sich „nicht drum kümmern“, „wenn da drüben einer ertrinkt“. [1]

Es liegt nahe, dass Mike Zerfowskis Motive für seine Tatenlosigkeit rassistisch waren: Er ist ein bekannter Neonazi. [2] Bereits letzten Sommer wurde in der Boulevardpresse und Internetforen hitzig über seine neonazistischen Aktivitäten diskutiert. Er war in einer führenden Position der Neuköllner NPD und bis 2010 in der Kameradschaft „Freie Nationalisten Berlin-Mitte“ aktiv. Er beteiligte sich an Neonaziaufmärschen, Propagandaaktionen und Einschüchterungsversuchen von Nazi-Gegner*innen. Als er und seine Kameraden der „Freien Nationalisten Berlin-Mitte“ 2010 geoutet wurden [3], zog er sich aus der Nazi-Szene zurück. Eine Distanzierung von rechten Ideologiefragmenten oder Offenlegung von Informationen seiner ehemaligen Kameraden gab es nie. [4]

Bereits letzten Sommer wurde der Betreiber des Strandbades Plötzensee, Erik Müller, mit rassistischen Vorfällen im Strandbad und dahingehend auch mit der Gesinnung seines Arbeitnehmers Mike Zerfowski konfrontiert. Anstatt darauf einzugehen, bestritt er, dass es im Strandbad Rassismus gäbe und verwies darauf, dass er auch Menschen „jüdischen Glaubens“ und Menschen mit „Migrationshintergrund“ beschäftige. [5]

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Mit unserer Aktion wollen wir zeigen, dass wir Rassisten überall entschlossen entgegentreten werden und sie ihre Hände weg vom Wedding lassen sollen. Wir werden dafür sorgen, dass Nazis wie Mike Zerfowski die Konsequenzen für ihr menschenverachtendes Handeln tragen müssen. Egal ob auf dem Land oder im Wasser – Nazis müssen immer mit unserer Gegenwehr rechnen. Dabei soll die „Schwimm-Demo“ erst der Anfang gewesen sein. Sorgt mit weiteren Aktionen dafür, dass es Nazi-Mike in diesem Sommer zu heiß im Wedding wird! Reclaim your Kiez!

Quellen:
[1] BZ-Artikel „Warum half der Bademeister nicht?“
http://www.bz-berlin.de/berlin/reinickendorf/warum-half-der-bademeister-…
[2] Freibad Plötzensee beschäftigt Neonazi:
http://www.recherche-und-aktion.net/2013/08/freibad-ploetzensee-beschaef…
[3] Bericht von 2010 über die „Freien Nationalisten Berlin-Mitte“:
https://linksunten.indymedia.org/node/21708
[4] Neonazi im Freibad Plötzensee – von Aussteigern und Aufhören
http://www.recherche-und-aktion.net/2013/08/von-aussteigern-und-aufhoerern/
[5] Tagesspiegel 2013: Rassismus im Freibad Plötzensee
http://www.tagesspiegel.de/berlin/rassismusvorwuerfe-in-berlin-wedding-s…

Weitere Berichte
– Verharmlosen und Wegschauen im Strandbad Plötzensee
https://linksunten.indymedia.org/de/node/119341
– Tagesspiegel
http://www.tagesspiegel.de/berlin/ploetzensee-bademeister-wehrt-sich-geg…

Quelle: linksunten.indymedia.org, 27. Juli 2014