Maria Fank bei einer Demonstration im August 2013.

Maria Fank bei einer Demonstration im August 2013.

Auch wenn der Rechtsextremismus immer noch männerdominiert ist, wächst der Einfluss der Frauen doch stetig. Die „ganz unweibliche“ Skrupellosigkeit – wie sie auch Beate Zschäpe verkörpert – sorgt bei vielen Beobachtern für Verwunderung. Dabei ist genau das gewollt: Die rechtsextremistische Szene nutzt die Weiblichkeit als Schafspelz. Dörthe Nath über rechte Frauen in Berlin und Brandenburg.

Von Dörthe Nath

Sommer in Berlin-Hellersdorf: Der Bezirk hat zur Bürgerversammlung geladen, um über das geplante Asylbewerberheim zu sprechen. Statt der erwarteten 400 Menschen sind mehr als doppelt so viele gekommen, unter ihnen viele NPD-Mitglieder. Die Stimmung ist unruhig und als der NPD-Landesvorsitzende von Berlin, Sebastian Schmidtke, zum Podium geht und sich das Mikrofon schnappt, johlt das Publikum. Schmidtke wird das Mikrofon schnell wieder weggenommen – als Gesicht der Berliner NPD ist er bekannt.

Anders Maria Fank. Sie ist ebenfalls in der NPD, aber sie wird vom Chef des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales Franz Allert ans Mikrofon gebeten. Die zierliche, braunhaarige Frau hatte sich in die Schlange der Fragenden eingereiht: „Hier werden Lehrkräfte eingestellt für fremde Kinder. Das ist ja gut und schön, aber was ist denn mit unseren Kindern? Warum können fremde Kinder die Bildung genießen, auf die unsere Kinder verzichten müssen?“

Organisiert in der rechtsextremistischen Szene – doch als Frau erregt sie keinen Argwohn

Kinder und Familie – scheinbar unverfängliche Themen, für die Maria Fank auch im Wahlwerbespot der NPD zur Bundestagswahl angetreten ist. Darin hieß es: „Kinder dürfen kein Armutsrisiko sein. Deutsche Familien müssen endlich wirksam gefördert werden, zum Beispiel mit einem Müttergehalt von 1.000 Euro.“

Sie ist also keineswegs eine Unbekannte. Sie meldet für die NPD Demonstrationen an und tritt als Rednerin auf. Sie ist Landesvorsitzende des Rings Nationaler Frauen – der Frauenorganisation der NPD und sie ist die Lebensgefährtin des Berliner NPD-Vorsitzenden Schmidtke.

Dass sie dennoch bei der Hellersdorfer Veranstaltung nicht als organisierte Rechtsextreme auffällt, passt in ein generelles Phänomen: „Die Herausforderung dabei ist, dass Frauen weniger als rechte Frauen wahrgenommen werden,“ sagt Heike Radvan, die bei der Amadeu Antonio Stiftung die Fachstelle Gender und Rechtsextremismus leitet.

„Wenn Frauen eine rechte Demo anmelden, schauen Polizisten oft nicht so genau hin“

„Wenn rechte Frauen sich beispielsweise gegen die Gefahr sexuellen Missbrauchs einsetzen, dann ist das oft sehr viel anschlussfähiger, oder wenn Frauen eine rechte Demo anmelden, schauen Polizistinnen und Polizisten oft nicht so genau hin“, erklärt Radvan.

Dass rechte Frauen mit einer eigenständigen politischen Haltung in der Szene agieren, ist eine Entwicklung, die Forscherinnen seit mehr als zwei Jahrzehnten beobachten. Aber in den letzten Jahren sind sie mehr geworden. So haben Sozialpsychologen Einstellungen untersucht, die unter dem Begriff „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ zusammengefasst werden. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen genauso rassistisch, antisemitisch, nationalistisch und homophob eingestellt sind wie Männer.

Frauen geben sich cool und radikal

Nach Zahlen des Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus sind mittlerweile 30 bis 40 Prozent der NPD-Wähler und NPD-Mitglieder Frauen. Straf- und Gewalttaten werden zwar nach wie vor überwiegend von Männern begangen, aber auch hier ist der Anteil an Täterinnen auf zehn Prozent gestiegen.

Und auch bei den von Männern begangenen Taten plädiert Forscherin Heike Radvan für eine genauere Analyse: „Aus der empirischen Beobachtung heraus kann man sagen, dass Frauen durchaus eine Rolle spielen bei den Gewalttaten im Verlauf, auch wenn sie am Ende nicht diejenigen sind, die zuschlagen. Nicht selten sind sie diejenigen, die eine Situation so zum Eskalieren bringen mit fremdenfeindlichen rassistischen Zuschreibungen, beispielsweise migrantischen Männern unterstellen, dass sie sie sexuell belästigt hätten – und wer dann zuschlägt, ist der Freund der rechtsextremen Frau. Das passiert häufig, und da muss man genauer hinsehen.“

Innerhalb der rechtsextremen Szene bekleiden Frauen verschiedene Positionen. Sie sind Liedermacherinnen, Politikerinnen oder einfach nur die Freundin von jemandem. Sie geben sich cool und radikal mit Tätowierungen wie die Berlinerin Maria Fank. Und sie geben sich seriös und bürgernah wie Stella Hähnel, NPD-Kreisvorsitzende in Teltow-Fläming, die sich auch schon unerkannt in der Kita ihrer Kinder engagierte.

Rechtsextremisten nutzen Vorstellung von Frauen

Dass Frauen in der Gesellschaft als friedliebender angesehen werden als Männer, dass ihnen Gewalt und extremistische Haltungen weniger zugetraut werden, hat auch die NPD erkannt. Die Berliner NPD-Aktivistin Maria Fank sagt in einem Interview mit einem rechtsextremen Internetsender, es sei auch deshalb wichtig, dass rechtsextreme Frauen politisch aktiv seien, weil ihnen weniger Aggressionen entgegengebracht würden. Dabei ist Maria Fank keineswegs weniger radikal als ihre männlichen Kollegen: Am 1. Mai hält Fank bei der NPD-Kundgebung in Schöneweide eine Rede, in der sie den Maifeiertag während des Nationalsozialismus glorifizierte.

Sie zitierte in dieser Rede sowohl Adolf Hitler, den sie als „eine Deutschland prägende Person“ einführt als auch dessen Propagandaminister Joseph Goebbels, den sie als eine „ehrenvolle Person“ bezeichnet. Gerade hat sie sich bei der Polizei selbst angezeigt: Sie will einen Koffer mit rechtsextremer und gewaltverherrlichender Musik besessen haben, den die Beamten bei einer Hausdurchsuchung bei ihrem Lebensgefährten Sebastian Schmidtke gefunden haben. So soll offenbar Schmidtke entlastet werden.

„Genau so gefährlich wie auch die Männer“

Auf ihrem Facebook-Profil hat sie ein Foto von sich am Holocaust-Mahnmal gepostet. Darauf sitzt sie auf einer der Stelen und trägt ein T-Shirt einer rechtsextremen Black-Metal-Band mit Bildern von Wehrmachtssoldaten und kriegsverherrlichenden Zeilen aus einem Liedtext.

„Sie ist selbstverständlich genau so gefährlich wie auch die Männer im Berliner Rechtsextremismus,“ erklärt Bianca Klose, Leiterin der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin. Sie hat Maria Fanks Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil sie gemeinsam mit der Journalistin Andrea Röpke vor kurzem eine Diskussionsveranstaltung über Frauen in der rechtsextremen Szene bestritten hat. „Dass sie sehr wohl auch Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung und auch der Einschüchterung von politischen Gegnern sehr wohl akzeptiert, sieht man daran, dass sich derzeit auf ihrem Facebook-Profil in der Kommentarspalte rechtsextreme Männer und Frauen darin ergehen, gegen Andrea Röpke und mich zu hetzen und auch zur Erschießung aufrufen, indem sie sagen, man solle uns an die Wand stellen.“ Kommentare, die Maria Fank von ihrem Profil löschen könnte, wenn sie wollte.

Eine NPD-Aktivistin als künftige Sozialassistentin?

In ihrer Ausbildung zur Sozialassistentin an einer privaten Erzieherschule gibt sie sich unauffälliger. Dass sie eine aktive Rechtsextremistin ist, fällt dort erst auf, als linke Gruppen die Schulleitung im Sommer darüber informieren. Eine offizielle Stellungnahme will der Leiter der Einrichtung dem rbb nicht geben – aus Datenschutzgründen.

Bianca Klose von der Mobilen Beratung hält das für falsch und plädiert für einen offensiven Umgang auch weil die NPD diese Strategie seit einigen Jahren offensiv verfolgt – dass also rechtsextreme Frauen und Männer Berufe im sozialen Bereich ergreifen.

Bianca Klose: „Wir haben hier ein Problem mit einer rassistischen oder rechtsextremen Frau in einem sozialen Beruf. Sie will sich hier – wie Frau Fank – zu einer Sozialassistentin ausbilden lassen. Dies ist nicht vereinbar mit dem späteren Beruf, mit der Arbeit mit Kindern, und daher sollte eine Einrichtung offensiv damit umgehen und immer wieder deutlich machen, dass ein rassistisches Weltbild nicht vereinbar ist mit der Fürsorgepflicht gegenüber Kindern und Jugendlichen.“

Die Strategie – Unauffälligkeit

Ob die betreffende Schule Maria Fank zur Zeit weiter ausbildet ist unklar. Die Senatsverwaltung für Bildung erklärt sich für nicht zuständig, da es sich um eine private Ersatzschule handele. An öffentlichen Schulen seien Verweise dann möglich, wenn Menschen sich im Schulalltag verfassungsfeindlich äußern. Nur gehört genau das auch zur Strategie der NPD: dass ihre Mitglieder sich in der Ausbildung möglichst unauffällig verhalten. Dann – so heißt es bei der Bildungsverwaltung – könne die Schule selbst kaum etwas unternehmen. Dann seien andere Organe wie der Verfassungsschutz gefragt.

Quelle: rbb, 27. November 2013